„Paradies Gefahrenzone“ 8.1.2018

8. Januar 2018
21:00bis21:45

Bayern erleben „Paradies Gefahrenzone“ am Montag, 8.1.2018, um 21:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen

Straßen, Hochspannungstrassen, Truppenübungsplätze und Flughäfen sind Gefahrenzonen.

Doch so widersprüchlich es auch auf den ersten Blick erscheinen mag, für viele Pflanzen und Tiere sind diese Gebiete wichtiger Rückzugsort oder gar Fortpflanzungslebensraum. Nicht selten profitieren gerade besonders seltene Arten und finden auf Hochspannungstrassen, Truppenübungsplätzen oder Flughäfen ein Paradies.

Etwa 18.900 Trassenkilometer umfasst das Hoch- und Höchstspannungsnetz in Bayern. Ökologen sehen in den Stromleitungen zunehmend ein wertvolles Biotop-Netzwerk und Überlebensinseln für gefährdete Tiere und Pflanzen. Knapp 300 Quadratkilometer der bayerischen Trassen-Schneisen sind nach Einschätzung des Umweltministeriums als Rückzugsgebiet für Flora und Fauna besonders wertvoll. So etwa bieten die gehölzfreien Trockenmagerrasen unter den Hochspannungsleitungen in den trockenen Bereichen der Augsburger Lechauen seltenen Insekten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke oder dem Kreuzenzian-Ameisenbläuling einen geschützten Lebensraum.

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Seit mehr als 79 Jahren ist der Übungsplatz in Grafenwöhr für die Öffentlichkeit gesperrt. Davon profitieren viele Tiere und Pflanzen, die in Bayern auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen – nicht trotz, sondern wegen des militärischen Betriebs. Bis zu 80 Zentimeter tief graben sich die Ketten der tonnenschweren Panzer in den Boden, reißen die Bodennarbe auf und halten die Pflanzendecke kurz. Über die immer neu entstehenden kleinen Tümpel freut sich die Gelbbauchunke.

Doch einer der Hauptgründe für den Artenreichtum hier ist, dass auf den großen Übungsplätzen seit über 60 Jahren weder Pestizide gespritzt noch Dünger ausgebracht werden. Deshalb gibt es hier ein enormes Angebot an Insekten – der Hauptgrund, dass es auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels so viele Fledermäuse gibt, darunter auch die seltenste Fledermaus Deutschlands, die Große Hufeisennase. Seit Kurzem haben sich auch Wölfe niedergelassen. Mehr als 40 als gefährdet geltende Vogelarten haben sich im Münchner Flughafengelände angesiedelt, und so ist das Gebiet nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie als Vogelschutzgebiet gemeldet.

Während fast überall in Bayern die Zahl des Großen Brachvogels dramatisch abnimmt, steigt sie im eingezäunten Bereich des Flughafengeländes stetig an. 88 Brutpaare des seltenen Wiesenbrüters wurden zuletzt gezählt. Manche Nester befinden sich lediglich zwei Meter von der Start- und Landebahn entfernt. Die Bodenbrüter profitieren von der wegen Vogelschlaggefahr nötigen Vergrämung der großen, schwarmbildenden Vögel, von der Umzäunung des Flughafengeländes, die sie vor Fressfeinden schützt sowie dem Biotopmanagement des Flughafens.

Straßen zerschneiden Lebensräume, verhindern die Wanderung von Tieren und somit den überlebenswichtigen Genaustausch zwischen Populationen. Für viele Tierarten sind vor allem große Straßen praktisch unüberwindbar und ein Ort des sicheren Todes. Doch es gibt auch eine andere Seite. Einige Tiere haben diese Todeszonen als Teil ihres Lebensraums für sich entdeckt, sich sogar darauf spezialisiert. Manche Fledermausarten, wie das Große Mausohr, haben ihre Wochenstuben in den geräumigen Brückenlagern der Autobahnbrücken gebildet und ziehen dort ihre Jungen auf.

„Paradies Gefahrenzone“ am Montag, 8.1.2018, um 21:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen