„Stolperstein: Mittendrin statt nur dabei – Leben mit der Bluterkrankheit“ 6.1.2018

6. Januar 2018
09:30bis10:00

„Stolperstein: Mittendrin statt nur dabei – Leben mit der Bluterkrankheit“ am Samstag, 6.1.2018, um 9:30 Uhr im Bayerischen Fernsehen

Durch moderne Verfahren und gentechnische Präparate ist das Gesamtrisiko für Bluter mittlerweile sehr gering. Auch wenn Einschränkungen bleiben, haben sie eine normale Lebenserwartung.

Dank der modernen Medizin ist Hämophilie heute eine Krankheit, die den Schrecken von einst weitgehend verloren hat. Der Film aus der Reihe „Stolperstein“ porträtiert Betroffene aus verschiedenen Generationen und zeigt, wie sie mit der Bluterkrankheit heute leben.

Als Sabine Schepperle schwanger wird, weiß sie genau: Die Chancen stehen 50:50. Im vierten Monat lässt sie einen Test machen. Das Ergebnis teilt ihr der Arzt aus dem Labor telefonisch mit: „Ihr Kind wird Bluter sein.“ Und fügt hinzu: „Sie können es ja noch abtreiben lassen.“ Sabine Schepperle hat sich für ihr Kind entschieden. Heute ist Leon zehn Jahre alt, singt im Chor, treibt Sport und wird im neuen Schuljahr auf die Realschule wechseln. Auf dem Bolzplatz spielt er zwar nicht als Mittelstürmer – das ist wegen der Verletzungsgefahr zu gefährlich – trotzdem hat er unter den Fußballkameraden seine Rolle gefunden: Er ist Schiedsrichter.

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Der 60-jährige Herbert Lechner musste als Bub im Sportunterricht noch zuschauen. Auch sonst konnte er am normalen Leben nur unter großen Vorsichtsmaßnahmen teilnehmen. Schon kleinste Verletzungen konnten früher lebensbedrohlich sein.

Auslöser der Bluterkrankheit (Hämophilie) ist ein genetischer Defekt, der eine Gerinnung des Bluts verhindert. Deshalb müssen die Gerinnungsfaktoren mittels Blutplasma gespritzt werden. Doch in den 1980er-Jahren waren viele Blutkonserven mit HIV verseucht. Herbert Lechner erinnert sich noch an diese Zeit, in der die Angst vor Aids sein Leben bestimmte.

Viele seiner Freunde, die auch Bluter waren, starben daran. Es war der größte Medizinskandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Auch Sabine Schepperles Vater starb an den Folgen von Aids, weil er eine kontaminierte Blutkonserve gespritzt bekam. Herbert Lechner hatte Glück und wurde nicht infiziert. Zusammen mit seinem behandelnden Arzt, Professor Wolfgang Schramm, gründete Lechner damals die Bluterberatung Bayern.

„Stolperstein: Mittendrin statt nur dabei – Leben mit der Bluterkrankheit“ am Samstag, 6.1.2018, um 9:30 Uhr im Bayerischen Fernsehen