Eurovision Song Contest: Auf diese Bühne schaut heute ganz Europa!

tz München: Eurovision Song Contest: Auf diese Bühne schaut heute ganz Europa! Ein Münchner hat sie entworfen
In der tz erklärt Florian Wieder sein Werk

14.5.2011 München (ots) – Sie stiehlt den Künstlern fast die Show: Europa blickt dieses Wochenende auf die Wahnsinns-Bühne in der Esprit-Arena. Sie ist der heimliche Star beim Eurovision Song Contest 2011! Die kreisrunde Plattform fügt sich wie ein riesiges Raumschiff in die Halle, im Hintergrund funkeln tausende LED-Lichter und Scheinwerfer. Ein Konstrukt wie aus einer anderen Welt – gebaut von einem Münchner. Rund acht Monate hatte Florian Wieder Zeit, um das Projekt ESC zu entwickeln. „Für so eine komplexe Produktion war das eher kurzfristig“, sagt der 43-Jährige, der unter anderem auch für die Studios von Anne Will und Wetten, dass..? seine Fantasie spielen lässt. Die tz traf Wieder in Düsseldorf, wo er die Ideen hinter seinem Design verriet.

Die Hauptbühne: Das Podest, auf dem die Sänger stehen, ist im Vergleich zur riesigen Halle winzig – es hat einen Durchmesser von 13 Metern. „Nach den ESC-Regeln dürfen nur maximal sechs Leute auf der Bühne stehen“, erklärt Wieder. „Da macht es keinen Sinn, eine riesige Fläche hinzustellen.“ Dass die Sänger von der Halle nicht „verschluckt“ werden, liegt an dem Lichtzauber außen herum, ganz nach dem Motto: Alle Spots auf die Musiker! Ein kurviger Laufsteg führt zu einer weiteren, kleinen Bühne mitten ins Publikum. Sie wird vor allem von den Moderatoren Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab genutzt, manchmal auch von den Künstlern.

Die große LED-Wand im Hintergrund, 60 Meter breit, 18 Meter hoch: Die LED-Wand im Hintergrund ist nicht zu übersehen. LEDs sind kleine, extrem helle Birnen. Wenn sie leuchten, entstehen die schönsten Bilder: funkelnde Diamanten, kristallklare Regentropfen und einfach wilde Muster in allen Farben. Wieder und sein Team sind nicht nur für die Technik, sondern auch für die visuelle Gestaltung jedes einzelnen Auftritts verantwortlich. „Jedes Land will sich so groß und spektakulär wie möglich präsentieren, also mit Feuerwerk und allem drum und dran“, so Wieder. „Aber es gibt Lieder, die geben das gar nicht her.“ Andere Künstler haben sogar ihre eigene Ausstattung mitgebracht – wie die Estländerin Getter Jaani. Sie und ihre Bandkollegen schleppten eine New-York-Skyline für die Bühne an, selbst gebastelt aus Pappmaché. „Sie hatte nur leider überhaupt nicht zu unserem Bild auf der LED-Wand gepasst, wir hatten eine riesige Hochglanz-Skyline entwickelt“, erzählt Wieder. Sein Bühnenbild landete in der Tonne, ein neuer Entwurf musste her, handgezeichnet, dem Stil der Estländer angepasst: „Jetzt wirkt die Optik wie aus einem Guss.“

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Die Publikumsraenge links und rechts: Viele Vorgaben bekam Wieder nicht für die Bühnengestaltung – nur eines war den Machern wichtig: „Das Publikum sollte mit einbezogen werden“, so Wieder. Deswegen auch die runde Bühnenform, damit wirklich jeder etwas sieht. Die Gäste in der Arena kommen richtig nah an die Musiker heran, die ersten bestuhlten Reihen beginnen nur knapp 20 Meter von der Bühne entfernt.

Die Deckenkonstruktion oberhalb der Bühne: Im Fernsehen ist es eher seltener im Bild: Das so genannte Lichtrigg, eine Metallkonstruktion in gut 40 Metern Höhe. An ihr hängen über 2000 Scheinwerfer – und eine Handvoll Mitarbeiter, die in Sesseln gesichert das Licht dirigieren. Weiße Seitenelemente verbinden das Lichtrigg mit der Bühne: Um Gewicht zu sparen, bestehen sie im oberen Bereich aus Stoff und Stahl, unten zum Teil aus hochglänzendem Holz.

Das Mischpult für Ton und Licht: Das geht ins Ohr: Am Mischpult halten Ton- und Lichtexperten die Stellung, um bei Bedarf den Klang anzupassen. Nicht nur die Bühne, auch der Bereich dahinter ist eine runde Sache: Der sogenannte Green Room, in dem die Kandidaten nach ihrem Auftritt warten und zwischendurch Interviews geben. „Bei früheren Song Contests war das oft nur ein Raum, der mit irgendwelchen billigen Möbeln vollgestopft wurde, meist hingen noch Fahnen wild herum“, erinnert sich Wieder. Er wollte für 2011 eine Lounge-Atmosphäre schaffen. „Jetzt hat jedes Land seine eigene Wabe, fast wie bei Bienen.“ Hinter jedem Detail, und sei es noch so klein, steckt eben eine eigene Idee. Und in dem gesamten Projekt eine Menge von Florian Wieders Herzblut.

Eva Hutter