„auslandsjournal“ 6.6.2012

5.6.2012 Mainz (ots) –

„auslandsjournal“ am Mittwoch, 6.6.2012, um 22:15 Uhr im ZDF

Der Asterix von Athen – Woher kommt der neue Ruhm des Alexis Tsipras?

Alexis Tsipras gilt als Favorit bei den anstehenden Neuwahlen in Griechenland am 17. Juni. Obwohl erst 37 Jahre alt, kann er schon auf eine 20-jährige politische Karriere zurückblicken. Angefangen hat er als Schüleraktivist bei der Kommunistischen Jugend, heute ist er Spitzenkandidat des griechischen Linksbündnisses Syriza. Bei der ersten Wahl im Mai hat der Anführer der Linken den Stimmanteil seines Bündnisses vervierfacht. Nun könnte es sogar zur stärksten Kraft werden – Syriza liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der konservativen Nea Dimokratia. Dabei baut Tsipras vor allem auf die Stimmen derjenigen, die von den etablierten Parteien enttäuscht sind.

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Tsipras ist zwar selbst ein Kind des alten Systems, mit seinen Reden sorgt er dennoch für frischen Wind. Er weiß, was die Griechen hören wollen. In Zeiten der Krise spricht er von „Revolution“. Er will das Sparprogramm stoppen, aber trotzdem in der Euro-Zone bleiben. Er glaubt, dass die Hilfszahlungen der EU nicht aufhören würden und die Drohungen der Europäer nur Bluff sind. Denn wenn die EU Griechenland nicht mehr helfen würde, gerate die gesamte Währungsunion ins Wanken.
Tsipras dreht den Spieß um, bei der Vorlage seines Regierungsprogramms erklärt er: „Vielmehr führt in Wirklichkeit eine Fortsetzung des Sparkurses dazu, dass Griechenland zur Drachme zurückkehren muss.“ In Deutschland und anderen europäischen Ländern schürt Tsipras damit Angst. ZDF-Korrespondentin Antje Pieper berichtet über einen Politiker, der  „Träumer“ oder „Populist“ genannt wird – und der schon bald Regierungsverantwortung innehaben könnte.

Verleugnete Verbrechen – Die Ukraine und ihr Umgang mit der
Hungersnot

Olexandra Owdijuk ist 91 Jahre alt, und noch immer kommen ihr die
Tränen, wenn sie daran denkt, was ihr und den Menschen in ihrem Dorf
Anfang der dreißiger Jahre widerfuhr. „Wir hatten nichts zu essen. Wir träumten jede Nacht von einem Stück Brot“, erzählt sie.
„Holodomor“, Tötung durch Hunger, nennen die Ukrainer das Grauen, das
Millionen von ihnen den Tod brachte. Die Hungersnot der Jahre 1932 und 1933 war nicht Folge einer Naturkatastrophe, sondern wurde von Stalins Regime in Moskau regelrecht organisiert. Um die Landwirtschaft zu kollektivieren, wurden Getreide und Saatgut beschlagnahmt und im großen Stil exportiert. Vor Hunger wussten sich die Menschen nicht mehr zu helfen und begannen Baumblätter, Hunde und Katzen und schließlich sogar Menschenfleisch zu essen: „In der Nachbarschaft, da sind die Eltern von Babenko vor Hunger verrückt geworden. Sie haben den Jungen zerteilt, gekocht und aufgegessen –
ihren eigenen Sohn!“, erinnert sich Olexandra Owdijuk.

Zu Zeiten der Sowjetunion durfte über das alles jedoch nicht geredet werden. Wer es dennoch tat, wurde verhaftet. Erst nach der Unabhängigkeit und der „orangenen Revolution“ begann man in der Ukraine, die eigene Geschichte aufzuarbeiten und der Opfer zu gedenken. Aber die Jahrzehnte des Verleugnens wirken fort. Noch immer wollen viele Moskau nahe stehenden Ukrainer nicht wahrhaben, was vor 80 Jahren geschah. ZDF-Reporter Gert Anhalt berichtet über die Schatten der Vergangenheit, die bis heute auf der Ukraine lasten.

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