„Europa plus“ 1.3.2012

ZDFinfo-Magazin „Europa plus“: Wladimir Kaminer im Interview
„Privat Russe, beruflich deutscher Schriftsteller“

1.3.2012 Mainz (ots) – Russen seien den Europäern weiter fremd, aber auch die Europäer seien den Russen fremd: Im ZDFinfo-Magazin „Europa plus“ am heutigen Donnerstag, 1. März 2012, 18.30 Uhr, ist Wladimir Kaminer zu Gast, der von sich selbst sagt, er sei „privat Russe, beruflich deutscher Schriftsteller“. Im Interview sagt Kaminer weiter, die Russen hätten Angst vor westlicher Verweichlichung: „In Russland müssen ehemalige Offiziere, am besten Oberste, an der Macht stehen.“

Zur gegenwärtigen Protestbewegung in Russland sagt Kaminer: „Ich glaube, dass diese Bewegung mit der Wahl erst begonnen hat, das Wichtigste, das Bedeutsamste wird nach der Wahl erst passieren (…), das System wählt sich selbst für eine neue Zeit, aber das System ist in dieser neuen Zeit sehr geschwächt und angeknackst.“

Putin steht vor der dritten Amtszeit, aber passt der alte Putin noch in die neue Zeit? Darauf Kaminer: „Der alte Putin muss sich jetzt neu erfinden, und er verändert sich tatsächlich, wenn auch nicht in die für mich richtige Richtung: Er radikalisiert sich etwas. Dadurch werden aber die Konturen dieses neuen Russlands deutlicher, die Fronten sichtbarer, es scheint tatsächlich eine politische Auseinandersetzung zu geben in Russland.“

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Vor der russischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 hatte Kaminer in einer 3sat-„Kulturzeit“-Ausgabe gesagt, in Russland wechselten Staatsoberhäupter mit und Staatsoberhäupter ohne Haare von je her einander ab. Dazu sagt er jetzt: „Gut, Haare sind ihm nicht gewachsen, aber dafür sind der Gesellschaft die Haare gewachsen, sie stehen ihr schon zu Berge, und das gibt Hoffnung für die weitere Entwicklung.“