„Gekaufte Kinder“ 13.2.2012

Auf den Spuren des Kinderhandels
ZDF-Dokumentation „Gekaufte Kinder“ in der Reihe „37°“

9.3.2012 Mainz (ots) – Der Film „Gekaufte Kinder – Sex für eine Handvoll Reis“ verfolgt den Weg eines Kindes aus Haiti, das von Pädophilen bis nach Deutschland geschleust wurde. Als Entwicklungshelfer getarnt, hatten sie sogar ein Kinderheim betrieben und Spenden gesammelt. Kein Einzelfall, beweisen die Recherchen von Manfred Karremann für die „37°“-Dokumentation, die am Dienstag, 13. März 2012, 22.15 Uhr, im ZDF ausgestrahlt wird.

„Ich wollte nur essen und ein Bett zum Schlafen“, sagt Flavio (11) aus Haiti. Pädophile aus Berlin haben ihn missbraucht und nach Deutschland geschleust. Weil der Junge offenbar nicht das einzige Opfer ist, fliegen Kriminalbeamte aus Deutschland in die Dominikanische Republik, um dort in einem Armenviertel Kinder zu befragen. Das ist neu. Mit Hilfe des Bundeskriminalamtes suchen sie nach weiteren Kindern, die in die Fänge der scheinbaren Helfer geraten sind. Diese hatten bereits 2005 einen Verein für Migranten in Deutschland und Entwicklungshilfe gegründet. Tatsächlich handelte es sich aber um Pädophile.

Kein Einzelfall, sagt Mechthild Maurer von der Organisation ECPAT (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung): „Lange Zeit haben wir gedacht, dass sich in der Entwicklungshilfe Menschen zusammenfinden und Spenden sammeln, um Kindern zu helfen. Jetzt beobachten wir, dass Vereine auch zunehmend benutzt werden, um besser an Kinder heranzukommen, und das ist neu.“

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Die Täter aus dem Berliner Verein flogen auf, weil sie versucht hatten, Flavio nach Deutschland zu schleusen. Elf Jahre alt sollte der Junge laut Pass sein und aus Brasilien stammen. Am Flughafen München fiel der Schwindel auf. Die Polizei fand sogar kinderpornografisches Material im Gepäck des scheinbaren Entwicklungshelfers. Der vorbestrafte Berliner wurde sofort verhaftet, Flavio als Zeuge an einen geheimen Ort gebracht.

„37°“-Autor Manfred Karremann begleitet die Polizei in die Dominikanische Republik und begibt sich dann auf Spurensuche in Haiti. Dort hatte ein freundlicher Mann aus Deutschland dem Jungen, der nach dem Erdbeben im Jahr 2010 alleine war, angeboten, ihn mit in sein Kinderheim an der Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik zu nehmen. Es ist ein Heim nur für Jungen, denn der Deutsche ist ein „Knabenliebhaber“, wie Flavio bald feststellen muss. „Als er mich gefragt hat, war ich hungrig, wollte ein Bett zum Schlafen“, sagt Flavio. Deshalb sei er mitgefahren. Dass damit eine Odyssee bis nach Deutschland beginnt, ahnt das Kind nicht.

„Ich finde es gut, dass die deutsche Polizei Flavios Fall bis zum Ende verfolgt, um hier ein Zeichen zu setzen“, sagt der Leiter der Unicef-Kinderschutzeinheit in Haiti dem Autor.