„WISO“ 12.3.2012

ZDF-Magazin „WISO“: Massiver Interessenskonflikt bei Bergbauschäden
Sachverständige arbeiten oft im Auftrag der Bergbaukonzerne

9.3.2012 Mainz (ots) – Allein in Nordrhein-Westfalen melden sich jedes Jahr über 30 000 Immobilienbesitzer, deren Häuser aufgrund von Bergbau Schäden und Risse bekommen haben. Das ZDF-Magazin „WISO“ zeigt am Montag, 12. März 2012, 19.25 Uhr, dass die begutachtenden Sachverständigen (Markscheider) einem massiven Interessenskonflikt ausgesetzt sind.

Unterirdischer Kohleabbau kann zu Absenkungen des Bodens führen, die Folge sind Mauerrisse. Als Beweis, dass die Schäden durch Bergbau verursacht worden sind, dienen Grubenkarten, die Markscheidern erstellt werden.

Bergbaukonzerne wie die Ruhrkohle AG sind verpflichtet, ihren Abbau ständig zu dokumentieren – eine Aufgabe für Markscheider, die für ihre Arbeit von den Konzernen bezahlt werden. Dennoch genießen ihre Dokumente „öffentlichen Glauben“, sie sind quasi beglaubigte Urkunden. In einer Auseinandersetzung um Entschädigungen für Bergbauschäden sind diese Grubenkarten oft die einzige Grundlage.

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Diese Sachverständigentätigkeit soll per Gesetz „weisungsfrei“ sein, wird aber von den Schadensverursachern bezahlt. Der Präsident der Ingenieurkammer Nordrhein-Westfalen, Heinrich Boekamk, kritisiert den Zustand: „Ein Sachverständiger kann sich im Interessenumfeld seines Arbeitgebers nicht erlauben, gegen diesen zu arbeiten, selbst wenn Sachen nicht stimmen. Ein Sachverständiger muss absolute Unabhängigkeit genießen.“ Die zuständige Aufsichtsbehörde sieht sich nicht in der Pflicht, die Arbeit der Markscheider zu überwachen: „Die Behörde kann zwar eingreifen, wenn ein Markscheider grob fahrlässig handelt, in seiner eigentlichen Arbeit als Sachverständiger aber ist er weisungsfrei“, sagt Behördensprecher Andreas Nörthen.

Harsche Kritik an der mangelnden Aufsicht kommt von Josef Hovenjürgen, CDU-Fraktionsvize im Düsseldorfer Landtag. Das Thema kommt jetzt in den zuständigen Ausschuss des Parlaments.